Aktionen 2003

Frühjahr/Sommer
Der Verein spendete für die deutschen Hochwasseropfer spontan 500 € an das DRK und rief zu weiteren Spenden auf. Dabei kamen noch einmal rund 600 € zusammen, die an einen Sportverein in Dessau überwiesen wurden.

Herbst
Im Dezember 2003 besuchte eine Berliner Gruppe des Vereins Kambodschahilfe e.V. das asiatische Land. Mit 50 kg Übergepäck flogen wir über Singapur, Phnom Penh nach Siem Reap. Im Gepäck hatten wir ca. 500 Brillen, Spielzeug, Bekleidung und Geld für Kinder und Erwachsene. Die Sachen wurden vor Ort verteilt und mit großer Freude entgegengenommen. Für eine Schule, in der der Unterricht aufgrund fehlender Schulsachen nicht beginnen konnte, kaufte der Verein für 86 Kinder Schulhefte und Schreibgeräte.
Dem "Besten" Schüler versprachen wir ein Fahrrad. Der Lehrer sollte entscheiden. Die Schüler schickten uns dann die Bilder.

Wir schenkten einem armen Bauern, der mit 6 Kindern in einer kleinen Hütte lebt, ein Fahrrad. Die Frau war vor einigen Wochen verstorben. Der Schulweg für die Kinder ist weit. Das ist ein Fahrrad wichtig, da weite Wege zur Schule oder zum Einkaufen zurückgelegt werden müssen. (Siehe Fotos).
Sicherlich sind das nur "Tropfen auf einen heißen Stein", aber wenn man die Freude der Menschen sieht, dann weiß man, dass man auch mit wenigen Mitteln richtig gehandelt hat.

In einer anderen Schule wurden Schulsachen und Spielzeug verteilt.

Über die Brillenaktion ein kleiner Bericht:

 

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Kokosnüsse für Hefte
In Kambodscha helfen manchmal schon einfachste Dinge

Siem Reap (be.p) Der alte Jeep hat in seinem Auto-Leben offenbar schon einiges hinter sich gebracht. Beim Anfahren macht er erst einmal einen Satz nach vorn. Den vierten Gang nimmt er nur, wenn der Fahrer den Schaltknüppel entschlossen festhält. Aber für die ausgewaschenen Sandpisten ist er genau richtig - so lange wir nur genügend Wasser für seine Kühlung dabei haben.

Wir sind in Kambodscha, einem der ärmsten Länder der Welt, und mit einer Kiste voller Brillen auf dem Weg in ein kleines Dorf. Studenten der Technischen Fachhochschule Berlin sammeln seit geraumer Zeit „Gebrauchte“. Wenn sie selbst nicht in das südostasiatische Königreich reisen können, bringen, wie diesmal, Mitglieder des Kambodschahilfe e.V. die Brillen an Ort und Stelle.
Auf dem Dorfplatz ist ein langer Tisch aufgebaut. Wir legen alle Brillen nebeneinander. Jeder Dorfbewohner sucht sich die aus, mit der er am besten (aus-)sieht. Eine etwas ungewöhnliche und in Deutschland wahrscheinlich Kopfschütteln auslösende Methode - aber Optiker gibt es kaum und Augenärzte ebenso wenig. Ein Vierteljahrhundert nach Pol Pot hat sich das Land noch immer nicht von der blutigen Herrschaft der Roten Khmer erholt: eine ganze Generation von Ärzten, Lehrern, Akademikern wurde ausgerottet. Da wird eine Brille fast wie ein Sonntagsstaat getragen. Immer wieder bedankt sich eine alte Frau, weil sie endlich wieder etwas sehen kann. Wir können kein Khmer, aber die größeren Schulkinder dolmetschen ins Englische. Sie beherrschen das erstaunlich gut. Und so erfahren wir auch, dass der Weg in ihre Schule, eine Art Gymnasium, über eine Stunde dauert, wenn sie ihn laufen müssen - nicht jeder im Dorf hat ein Fahrrad.

Auf dem Markt von Siem Reap, der nächstgelegenen größeren Stadt, bekommt man gebrauchte Fahrräder für etwa 25 Dollar. Ein durchschnittliches Monatsgehalt liegt in Kambodscha um die zehn Dollar. Wir beschließen, später noch einmal in das Dorf zurückzukehren - mit Fahrrädern.
Aber im Moment sitzen wir erst einmal fest. Ein Reifen hat seine Luft ausgehaucht. Im Nu haben einige Dorfbewohner den Jeep aufgebockt, das Rad abmontiert und sind mit ihm in den Tiefen des Dschungels verschwunden. Keine Bange, beruhigt uns der Lehrer, in einer Stunde haben wir das Rad samt neuem Reifen zurück. Zeit, uns noch die Dorfschule zu zeigen. Selbst gezimmerte Tische und Bänke stehen auf dem Erdboden, praktisch unter dem Wohnzimmer des Lehrers. Seine Behausung wurde, wie hierzulande üblich, auf Pfählen gebaut. Das „Klassenzimmer“ ist also nichts weiter als das Geviert dazwischen. Es gibt ein neu gebautes Schulhaus, aber das darf nicht benutzt werden. Erst muss der Lehrer der Behörde nachweisen, dass er tatsächlich unterrichtet. Aber es fehlt ihm an Materialien, an Stiften, Heften und Schreibblöcken für 86 Kinder. Als wir versprechen, ihm zu helfen, lässt er zwei riesige Bündel Kokosnüsse für uns schlagen.
Unterdessen kommt, eingeklemmt zwischen zwei Kambodschanern, unser Rad auf einem Moped angefahren. Ehe wir uns versehen, ist es wieder mit dem Jeep verschraubt. Wir bezahlen die freundlichen Helfer und verabschieden uns von den Dorfbewohnern mit einem formvollendeten Satz nach vorn.
Wer mehr über Kambodscha und Möglichkeiten praktischer Hilfe wissen möchte, findet Informationen unter http://www.eyecaremission.org
und www.kambodschahilfe.de. (be.p)
Gabi Loke

Alte Brillen aus Berlin für Reisbauern in Kambodscha

Augenoptik-Studenten der TFH organisieren Hilfsaktion

Von Steffen Gassel

Der Scheitelbrechwertmesser läuft langsam heiß. Ulrike Rjosk hält unbeirrt die nächste Brille vor die Öffnung aus der der Lichtstrahl kommt. Angestrengt blickt sie auf das Display aus grünen Kreisen. Dort liest sie ab, wie viele Dioptrien das Brillenglas hat. „Das muss so zirka die 250. Brille sein, die ich heute messe.“, sagt die Augenoptik-Studentin vom Projekt „Brillen für Kambodscha“.

„Fast jeder Brillenträger hat eine alte Brille zu Hause in der Schublade liegen.“, sagt Rjosks Kommilitonin Andrea Gehlmann. „Die brauchen wir.“ Zusammen mit elf anderen Studenten der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) will Gehlmann alte Brillen sammeln, putzen, richten, messen – und im Februar an arme Reisbauern in Kambodscha verschenken. Die Idee für das Projekt brachte Gehlmann von einem Praxisseminar im Ausland mit. Tagelange Märsche hätten die Menschen für eine Brille auf sich genommen – das erfuhr sie, als sie mit einem Ärzteteam aus Singapur vergangenes Jahr in dem kriegsgeschundenen Land unterwegs war, erzählt Gehlmann. „Mit einer Brille gibt man dort jemanden die Möglichkeit zurück, zu arbeiten und für die Familie zu sorgen.“

Der Vizepräsident des kambodschanischen Optikerverbandes freut sich über die Hilfe aus Berlin. Vergangene Woche schickte er Andrea Gehlmann aus der Hauptstadt Phnom Penh die Reiseroute für Februar 2003. Dann wollen die zwölf Berliner Studenten zusammen mit einheimischen Ärzten und Krankenschwestern zwei Wochen lang durch Kambodscha fahren, um Sehbehinderte zu untersuchen und die Brillen zu verteilen.

Bis dahin haben Gehlmann und ihre Kommilitonen noch viel zu tun. „Wir brauchen mindestens 2000 Brillen, damit sich die Reise lohnt.“, sagt sie. Bis jetzt haben die Studenten erst 300 zusammen. Außerdem brauchen sie Spenden für Augentropfen, optische Messgeräte und Mietfahrzeuge. Den Flug bezahlen die Helfer selbst.

Brillen für Kambodscha nehmen alle Berliner Optikerbetriebe entgegen. Spenden für das Projekt können an den Förderverein SFOF Berlin, Kontonummer 103246102 bei der Postbank Berlin, Bankleitzahl 10010010 überwiesen werden (Stichwort: Kambodscha).

Für die zahlreichen Spenden wollen wir uns bei allen Spendern bedanken, die hiermit auch namentlich genannt werden sollen:
• Frau Dr. Weingart,
• Familie Loke,
• Familie Zweigler,
• Dr. Nina Goppold,
• Helga Drews,
• Tauch Bora,
• Stephan Hammer,
• und viele andere.

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